Orgelbauer/innen der Fachrichtung Pfeifenbau sind die Künstler und Handwerker, die einer Orgel ihre Stimme verleihen. Sie fertigen in präziser Handarbeit die Orgelpfeifen aus verschiedenen Metalllegierungen und Hölzern und sind für deren klangliche Gestaltung verantwortlich.
Dauer der Ausbildung
Die Ausbildung dauert in der Regel 3,5 Jahre. Eine Verkürzung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, zum Beispiel bei besonders guten Leistungen oder einer entsprechenden schulischen Vorbildung.
Gehalt (Ausbildungsvergütung)
Die Ausbildungsvergütung ist im Handwerk oft tariflich geregelt, kann aber je nach Betrieb und Region variieren. Durchschnittlich kannst du mit folgender Vergütung rechnen:
- 1. Ausbildungsjahr: ca. 700-850 Euro
- 2. Ausbildungsjahr: ca. 750-950 Euro
- 3. Ausbildungsjahr: ca. 850-1.050 Euro
- 4. Ausbildungsjahr: ca. 900-1.150 Euro
Empfohlener Schulabschluss
Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Die meisten Betriebe stellen jedoch Bewerber/innen mit einem mittleren Bildungsabschluss (Realschulabschluss) ein. Wichtig sind gute Noten in Werken/Technik, Physik und Musik.
Kenntnisse/Stärken
- Musikalisches Gehör und Musikalität
- Handwerkliches Geschick und Fingerfertigkeit
- Geduld, Sorgfalt und hohe Konzentrationsfähigkeit
- Gutes räumliches Vorstellungsvermögen
- Technisches und physikalisches Verständnis (Akustik)
- Interesse an Holz- und Metallbearbeitung
Arbeitszeit
Die Arbeitszeit orientiert sich an den üblichen Werkstattzeiten, in der Regel 38-40 Stunden pro Woche. Bei Montagen oder Stimmungen in Kirchen kann es auch zu flexibleren Arbeitszeiten kommen.
Aufgaben in der Ausbildung
- Herstellen von Orgelpfeifen aus Zinn-Blei-Legierungen und Holz
- Zuschneiden, Formen und Löten von Metallteilen
- Bearbeiten und Verleimen von Holzteilen für Holzpfeifen
- Erlernen der Intonation (klangliche Formung der Pfeifen)
- Stimmen von Orgelpfeifen und ganzen Registern
- Lesen und Anfertigen von technischen Zeichnungen (Mensuren)
- Du lernst auch, dein Berichtsheft regelmäßig zu führen. Zu empfehlen ist z.B. das digitale Berichtsheft von Zubido
Ausbildungsinhalte
- Werkstoffkunde (Metalle, Hölzer, Leder)
- Manuelle und maschinelle Bearbeitungstechniken
- Löt- und Schweißverfahren
- Grundlagen der Akustik und der Musiktheorie
- Intonations- und Stimmtechniken
- Geschichte des Orgelbaus und Stilkunde
- Arbeitssicherheit und Umweltschutz
Ausbildungsablauf
Ausbildungsbeginn: Üblicherweise im August oder September eines Jahres.
Zwischenprüfung: Findet vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt, um den aktuellen Wissensstand zu überprüfen.
Abschlussprüfung/Gesellenprüfung: Am Ende der Ausbildungszeit legst du die Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer ab.
Karrieremöglichkeiten
- Weiterbildung zum/zur Orgel- und Harmoniumbaumeister/in
- Spezialisierung auf die Restaurierung historischer Instrumente
- Studium, z.B. im Bereich Musikinstrumentenbau oder Restaurierung
- Selbstständigkeit mit einer eigenen Orgelbauwerkstatt
Good to know
- Der deutsche Orgelbau und die Orgelmusik wurden von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit ernannt.
- Du arbeitest an der Entstehung einzigartiger, monumentaler Kunstwerke mit, die oft über Jahrhunderte bestehen.
- Der Beruf verbindet auf einzigartige Weise traditionelles Handwerk, Kunst und moderne Technik.
Berufsalltag
Dein Arbeitsplatz ist hauptsächlich die Werkstatt. Dort arbeitest du mit hoher Präzision an den empfindlichen Pfeifen. Es ist eine ruhige, konzentrierte Tätigkeit, die viel Geduld erfordert. Du wirst lernen, Metallplatten exakt zu gießen, zuzuschneiden, zu formen und zu verlöten. Bei der Intonation ist dein musikalisches Gehör gefragt, um jeder einzelnen Pfeife den perfekten Klang zu entlocken. Du musst während deiner Ausbildung auch dein Berichtsheft regelmäßig führen. Zu empfehlen ist z.B. das digitale Berichtsheft von Zubido.
Ausbildungsnachweis
Während der Ausbildung werden die erlernten Fähigkeiten und Kenntnisse von den Auszubildenden im Ausbildungsnachweis (auch "Berichtsheft") dokumentiert. Dieser dient als Nachweis für die während der Ausbildung erlernten Tätigkeiten. Das Berichtsheft ist laut HWK und IHK notwendig, um als Azubi zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Das Berichtsheft wird täglich oder wöchentlich geführt und muss von den Ausbildern im Unternehmen regelmäßig geprüft und signiert werden. Dafür gibt es vom Betrieb meist eine Berichtsheft-Vorlage. Zusätzlich werden mitunter auch Monats- oder Fachberichte verlangt. Moderne Ausbildungsbetriebe setzen dafür auf digitale Ausbildungsnachweise, wie die Berichtsheft-App von Zubido.
Offizielle Informationen und Dokumente
Hier findest du die wichtigsten offiziellen Informationen und Dokumente zu diesem Ausbildungsberuf.
So kannst du schnell nachsehen, wie die Ausbildung geregelt ist und welche Inhalte offiziell dazugehören.
Die Links führen zu externen offiziellen Quellen.
BIBB-Berufsseite
Die offizielle Übersicht des Bundesinstituts für Berufsbildung mit Informationen zu Berufsbild,
Ausbildungsdauer und Struktur der Ausbildung.
BIBB-Berufsseite
Ausbildungsverordnung und Ausbildungsrahmenplan
Die rechtliche Grundlage der Ausbildung mit den verbindlichen Inhalten und Anforderungen
für den betrieblichen Teil.
Ausbildungsverordnung und Ausbildungsrahmenplan (PDF)
Rahmenlehrplan
Die offiziellen Inhalte für den Unterricht in der Berufsschule, sofern ein veröffentlichter
Rahmenlehrplan verfügbar ist.
Rahmenlehrplan (PDF)